#  Risse im Larsen-C Schelfeis entdeckt

Geschrieben von Heiner Kubny am 24. April 2015. Veröffentlicht in [Forschung &amp; Umwelt](https://polarnews.eu/index.php?option=com_content&view=category&id=58).

Ein langer Riss frisst sich derzeit durch das Larsen C-Schelfeis, eine der grössten schwimmenden Eiszungen an der Antarktischen Halbinsel. Wie AWI-Glaziologin Daniela Jansen und ein Team britischer Wissenschaftler im Online-Fachmagazin «The Cryosphere Discussions» berichten, droht der wachsende Spalt, das gesamte Schelfeis zu destabilisieren.

 ![Diese Grafik zeigt eine Satellitenaufnahme vom 3. Dezember 2014. Das Larsen C-Schelfeis wird hier als graue Fläche dargestellt, welches im unteren Bildrand von den Bergen der Antarktischen Halbinsel umrandet wird. Der stetig wachsende Riss ist als rote Linie dargestellt. Sowie er sich einmal ganz durch das Eisschelf zieht, werden etwa zehn Prozent der Eisfläche als ein oder mehrere grosse Tafeleisberge wegbrechen. Aufnahme: NASA](https://polarnews.eu/images/stories/antarktis/forschung_umwelt/20150424/Larsen_C_Ice_Shelf.jpg)Diese Grafik zeigt eine Satellitenaufnahme vom 3. Dezember 2014. Das Larsen C-Schelfeis wird hier als graue Fläche dargestellt, welches im unteren Bildrand von den Bergen der Antarktischen Halbinsel umrandet wird. Der stetig wachsende Riss ist als rote Linie dargestellt. Sowie er sich einmal ganz durch das Eisschelf zieht, werden etwa zehn Prozent der Eisfläche als ein oder mehrere grosse Tafeleisberge wegbrechen. Aufnahme: NASADie Wissenschaftler verfolgen die Entwicklung des Risses schon seit Längerem auf Satellitenbildern der NASA. «Seit dem vergangenen Jahr wächst der Spalt mit zunehmendem Tempo. Sowie er wieder die Eisfront erreicht, werden etwa zehn Prozent der Schelfeis-Fläche abbrechen», sagt AWI-Glaziologin Daniela Jansen.

In Computerberechnungen konnten die Wissenschaftler zudem zeigen, dass ein solcher Abbruch den Zerfall des Schelfeises vorantreiben könnte. «Die Bildung von Rissen und das Kalben von Tafeleisbergen ist nichts Ungewöhnliches. Für ein stabiles Schelfeis wäre ein Kalben in den nächsten Jahren aber zu früh», sagt Daniela Jansen.

Das Larsen C-Schelfeis ist das viertgrösste Schelfeis der Antarktis. Seine Eismassen erstrecken sich bisher über eine Fläche von etwa 50.000 Quadratkilometern, was in etwa der Fläche Niedersachsens entspricht.

 ![Analyse der Rissausweitung mit Hilfe von LandSat Daten. Das Hintergrundbild, auf dem man den Riss erkennt, stammt vom 4. Dezember 2014. Die eingefügte Grafik zeigt die Entwicklung der Risslänge und der Rissbreite im Vergleich zur Position der Eisspitze von 2010. Das Ganze wurde aus 15 Bilder des LandSat (siehe Kreuze) zusammengesetzt. Die Kreise und Beschriftungen zusammen mit der gepunkteten Linie zeigen die Positionen während der Entwicklung des Risses.](https://polarnews.eu/images/stories/antarktis/forschung_umwelt/20150424/Larsen_C_Ice_Shelf_Landsat.jpg)Analyse der Rissausweitung mit Hilfe von LandSat Daten. Das Hintergrundbild, auf dem man den Riss erkennt, stammt vom 4. Dezember 2014. Die eingefügte Grafik zeigt die Entwicklung der Risslänge und der Rissbreite im Vergleich zur Position der Eisspitze von 2010. Das Ganze wurde aus 15 Bilder des LandSat (siehe Kreuze) zusammengesetzt. Die Kreise und Beschriftungen zusammen mit der gepunkteten Linie zeigen die Positionen während der Entwicklung des Risses.Wann der Riss zu einem Abbruch führen wird, können die Wissenschaftler nicht vorhersagen. «Wenn es aber passiert, dann wird es für diese Region eines der grössten Kalbungsereignisse seit den 1980er Jahren sein», sagt der britische Projektleiter Adrian Luckman von der Swansea University.

Unklar ist ausserdem, ob die Entstehung des Risses auf Veränderungen infolge des Klimawandels zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz stellt der neue Riss einen weiteren Beleg für die anhaltende Veränderung der Antarktischen Schelfeise dar – vor allem an der Antarktischen Halbinsel. Dort waren bereits im Jahr 1995 und 2002 die Schelfeise Larsen A und B innerhalb kurzer Zeit zerfallen.

![Antarktische Halbinsel](https://polarnews.eu/images/stories/antarktis/forschung_umwelt/20150424/Antarktische_Halbinsel.jpg)

Quelle: AWI, Bremerhaven

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